Warum der richtige Therapeut den Unterschied macht
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Warum der richtige Therapeut den Unterschied macht

Warum der richtige Therapeut den Unter­schied macht

„Therapie ist ein transparenter, gemeinsamer Weg.“

Psychische Gesundheit ist kein Tabuthema mehr. Dennoch fragen sich viele Menschen: Was passiert eigentlich in einer Therapie? Wann ist sie sinnvoll? Und woran erkennt man einen guten Therapeuten? Darüber spricht das Top Magazin Köln mit der Therapeutin Susann Szyszka. 

Top Magazin Köln: Was ist eigentlich eine Therapie?

Susann Szyszka: Eine Therapie ist ein professionell begleiteter Prozess, der hilft, seelische Belastungen, innere Konflikte oder psychische Erkrank­ungen besser zu verstehen und zu bewältigen. Sie kann Orientierung geben, Entwicklung fördern und die Lebens­qualität wieder aktiv gestaltbar machen.

Ich verstehe Therapie auch als eine Form der „Nachbe­elterung“. Jeder Mensch wird durch Eltern und wichtige Bezugs­personen geprägt – durch Sicherheit, Bindung, Regeln, den Umgang mit Gefühlen und erste Lösungs­strategien. Dennoch können Unsicher­heiten, belastende Erfahrungen oder ungelöste Konflikte zurückbleiben.

Therapie bietet einen geschützten Raum, um Gedanken, Gefühle und Beziehungs­muster besser zu verstehen. Sie unterstützt dabei, Resilienz und Lösungs­kompetenzen weiter­zu­entwickeln, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen und neue Handlungs­möglichkeiten zu entdecken. Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern wieder handlungs­fähig zu werden.

„Eine Therapie kann Orientierung geben, Entwicklung fördern und helfen, die eigene Lebens­qualität wieder aktiv zu gestalten.“

Top: Woran erkenne ich als Laie einen guten Therapeuten?

Szyszka: Einen guten Therapeuten erkennt man nicht allein an Abschlüssen oder Methoden, sondern vor allem daran, wie man sich im Kontakt mit ihm fühlt. Die Grundlage jeder erfolg­reichen Therapie ist eine tragfähige Beziehung: Man sollte sich ernst genommen, respektiert und verstanden fühlen – auch bei unbe­quemen Fragen und Antworten.

Mir ist wichtig, dass Patientinnen und Patienten von Anfang an eigenverantwortlich bleiben. Therapie ist kein mystischer Prozess, bei dem jemand anderes weiß, was richtig ist, sondern ein transparenter gemeinsamer Weg, dessen Ziele der Patient wesentlich mitbestimmt.

Ein guter Therapeut erklärt verständlich, wie er arbeitet, welches Ziel angestrebt wird, wie lange eine Therapie voraus­sichtlich dauern kann und welche Kosten entstehen. Fachliche Kompetenz, Klarheit und Transparenz gehören ebenso dazu wie individuelle Lösungen statt Standard­antworten. Idealerweise verlässt ein Patient die Stunde mit mehr Klarheit, Energie und Zuversicht.

Top: Wie läuft denn überhaupt eine „erste Therapie­stunde“ ab?

Szyszka: Die erste Sitzung dient dem gegenseitigen Kennen­lernen und der Einschätzung, ob eine tragfähige Arbeits­beziehung entstehen kann. Schon an der Tür beginnt der Kontakt. Ich lasse Klientinnen und Klienten beispiels­weise selbst entscheiden, wo sie sitzen möchten – eine kleine, aber bewusste erste Entscheidung für sich selbst.

Zunächst schildert der Ratsuchende, was ihn belastet und weshalb er Unter­stützung sucht. Wir schauen auf die Auswirk­ungen im Alltag, Beruf, in Beziehungen und auf das persönliche Wohl­befinden. Gleichzeitig achte ich auf Stärken, Ressourcen und bisherige Bewältigungs­versuche.

Die erste Stunde ist keine bloße Informations­sammlung. Der Therapeut sollte als fachlicher Experte erkennbar werden: durch gezielte Fragen, das Erfassen wesent­licher Zusammen­hänge und erste Überleg­ungen dazu, was hinter dem Anliegen stehen könnte. Gute thera­peutische Arbeit unterscheidet sich von allgemeinen oder gegoogelten Antworten dadurch, dass sie Lebens­geschichte, konkrete Situation und Persön­lichkeit einbezieht.

Wichtig ist mir, dass der Klient bereits eine alltags­taugliche erste Erklärung dafür erhält, wie das Problem entstanden sein könnte und wie es bearbeitet werden kann. Das gibt Orientierung und zeigt: Die Belastung ist nachvoll­ziehbar – und es gibt konkrete Wege, etwas daran zu verändern.

Top: Wie findet ein Therapeut die richtigen Symptome bei Ratsuch­enden heraus?

Szyszka: Durch die richtigen Frage­stellungen. Heutzutage hat jeder mindestens schon mal gegoogelt, was ihm fehlen könnte – und so kommen viele mit eigenen Diagnosen zum Therapeuten. Aber vergleichen Sie es mit einem Dach­decker: Ein Loch im Dach versucht der Hausherr selbst zu reparieren und abzudichten. Wenn das nicht klappt, fragt er Freunde und Nachbarn – und alle basteln daran herum. Am Ende geht er zum Fach­mann – und der sagt ihm, welche Reparaturen anfallen, ob das Dach in seiner Substanz repariert werden muss oder nur Teile davon, wie lange es dauert und was es kostet. Wenn der Hausherr dann seine Entscheidung getroffen hat, kümmert sich der Dachdecker um die Aufgabe.

Übertragen auf den Thera­peuten bedeutet das, dass er dem Klienten seine Vorgehens­weise erklärt und dieser dann entscheidet, welche Aspekte er behandelt haben will. Die Kunst des Thera­peuten besteht darin, hinter den offen­sicht­lichen Beschwerden die eigentlichen Zusammen­hänge zu erkennen. Thera­peuten arbeiten daher ein bisschen wie Detektive: Sie sammeln Hinweise, erkennen Muster und entwickeln gemeinsam mit dem Klienten ein Verständnis dafür, welche Faktoren die Beschwerden beein­flussen. Manchmal sind die Symptome nur Ausdruck einer temporären Überforderung – manchmal liegen sie tiefer.

Top: Wie lange dauert eine Therapie für gewöhnlich?

Szyszka: Darauf gibt es keine allgemein­gültige Antwort – aber meistens lässt sich das bereits in der ersten Stunde erkennen. Die Dauer hängt von der Art der Belastung, den persönlichen Zielen und der individuellen Lebens­situation ab.Manche Menschen profitieren bereits von wenigen Sitzungen, wenn es um eine konkrete Frage­stellung oder eine aktuelle Lebens­krise geht. Andere Themen benötigen deutlich mehr Zeit.

Top: Wie endet eine gute Therapiestunde?

Szyszka: Eine gute Therapie­stunde endet nicht abrupt, sondern mit einer bewussten Zusammen­fassung. Sie endet mit der Frage an den Klienten: Was haben Sie heute erreicht? Gemeinsam wird reflektiert, welche Erkennt­nisse gewonnen wurden und welche Gedanken oder Gefühle besonders wichtig waren.

Top: Wann ist das Ende einer Therapie erreicht?

Szyszka: Simpel ausgedrückt, wenn die vereinbarten Ziele aus der ersten Therapie­stunde erreicht sind. Dann verfügt der Ratsuchende über ausreichend Strategien, um zukünftige Belastungen eigenständig zu bewältigen. Ein gutes Therapie­ende wird aber stets gemeinsam vorbereitet und bewusst gestaltet. Es ist ein Zeichen gewachsener Selbst­ständigkeit und nicht ein plötzlicher Abschied.

Top: Wie finde ich einen für mich guten Therapeuten?

Szyszka: Die Suche nach dem passenden Thera­peuten ähnelt der Suche nach einem guten Arzt oder Coach: Qualifikation ist wichtig, aber die persönliche Chemie ist entscheidend. In jedem Fall sollte der Therapeut die Sprache finden, die sein Klient versteht. Er muss erklären können – und zwar schon in der ersten Stunde – was mit dem Klienten los ist. Bleibt der Therapeut geheimnisvoll, ist das ein schwaches Zeichen. Er muss seine Arbeits­weise und die Rahmen­beding­ungen transparent erklären. Er muss einen gewissen „Spirit“ vermitteln können, eine Art „Wow-Effekt“. Der Ratsuchende hingegen muss das Gefühl haben, offen sprechen zu können, ohne Angst vor Bewertung zu haben. Gute Therapie ist immer mit einem gelungenen Perspektiv­wechsel verbunden – und sie wertet nicht.

Und: Niemand sollte sich scheuen, nach dem ersten Gespräch kritisch zu prüfen, ob die Chemie stimmt.    

Vita Susann Szyszka

Dipl.-Psych. Susann Szyszka ist seit nahezu 30 Jahren als Psychologin und Verhaltens­thera­peutin in eigener Praxis tätig. Nach Studien der Human­medizin an der Freien Universität Berlin und der Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn absolvierte sie ihre Ausbildung zur Verhaltens­therapeutin sowie eine Weiter­bildung in klassischer Hypnose.

Ihre thera­peutischen Schwer­punkte liegen in der Diagnostik, Krisen­inter­vention und Behand­lung psychischer Erkrank­ungen wie Angst­störungen, Depressionen, Zwangs­störungen, Persön­lich­keits­störungen, Trauma­folge­störungen und Psychosen. Ergänzend bietet sie Einzel-, Paar- und Gruppen­therapie, Stress­bewältigung, autogenes Training, Entspannungs­verfahren, Kompetenz­training sowie Coaching an.

Ein weiterer Schwer­punkt ihrer Arbeit liegt in der Kinder-, Jugend- und Familien­psychologie sowie in der Rechts­psychologie. Sie ist erfahren in Gutachten, Umgangs­pflege, Verfahrens­pflege und der Begleitung von Familien in komplexen psycho­sozialen und rechtlichen Situationen. Sie begleitet zudem pädago­gisches Fach­personal sowie angehende Psycho­therapeu­tinnen und Psycho­thera­peuten im Rahmen von Supervision und fachlicher Reflexion. Darüber hinaus ist sie als psycho­logische Expertin, Referentin, Hörfunk- und Manage­ment­coach tätig und wirkt an medialen Beratungs- und Familien­projekten mit. 

Sommer 2026
Fotos: Larissa Neubauer

 Psychotherapie Susann Szyszka
Saime-Genc-Ring 16A | 53121 Bonn
Telefon (01 72) 2 53 88 68
E-Mail: therapie.szyszka@googlemail.com
Web: www.szyszka-therapie.com