
Im festlichen Rahmen ihres traditionellen Maiballs hat die Lesegesellschaft zu Köln die hohe Auszeichnung „Minerva Colonia“ an Ernst Vleer, den Vorsitzenden des „Colonia Kochkunstvereins“, verliehen. Im Dorint Hotel an der Messe versammelten sich zahlreiche Gäste aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft, um eine Persönlichkeit zu würdigen, die das ehrenamtliche Engagement in Köln seit Jahrzehnten prägt.
Die renommierte Auszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird, ehrt Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um das Gemeinwohl der Domstadt verdient gemacht haben. Mit Ernst Vleer zeichnet die Lesegesellschaft einen Menschen aus, der als Netzwerker, Ideengeber und Brückenbauer weit über Köln hinaus wirkt – und dabei den Werten seiner Heimatstadt stets eng verbunden bleibt.
Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Teresa De Bellis-Olinger hielten die Preisträger des Jahres 2024, Heike und Dirk Iserlohe, die Laudatio auf den neuen Preisträger in einem launigen Zwiegespräch. In ihrer persönlichen und zugleich pointierten Ansprache zeichneten sie Vleers beeindruckenden Lebensweg nach – vom Kochlehrling bis zum langjährigen Vorsitzenden des Colonia Kochkunstvereins und Gasteria 1884.
Besonders hervorgehoben wurde dabei seine außergewöhnliche Haltung zum Ehrenamt. „70 Prozent Engagement ist zu wenig. Mindestens 120“, formulierten die Laudatoren als Sinnbild für Vleers unermüdlichen Einsatz. Sie beschrieben ihn als „fliegenden Holländer mit kölschem Hätz“ – als jemanden, der Menschen zusammenbringt, Netzwerke schafft und Verantwortung übernimmt.
Sein Engagement reicht von internationalem Ausbildungsaustausch über humanitäre Hilfe bis zur Förderung kulinarischer Nachwuchstalente und zahlreicher sozialer Projekte in Köln. „Ernst Vleer ist kein Solist, sondern jemand, der andere mitnimmt und Wirkung entfaltet“, hieß es in der Laudatio. Und: „Sein Leben ist eine Sammeldose – quasi Gastfreundschaft mit Quittungsblock“, scherzte das Ehepaar Iserlohe. Denn mit jeder Aktion sammelt der neue Preisträger Gelder für notleidende Menschen: „Er hat mehr Spendenquittungen unterschrieben als mancher Bundeskanzler Gesetzesentwürfe.“



Sichtlich bewegt nahm Ernst Vleer die Auszeichnung aus den Händen von Lese-Präsident Michael Everwand entgegen. „Ich fühle mich geehrt und bin sehr stolz“, sagte Vleer vor den Gästen. Zugleich machte er deutlich, dass ehrenamtliches Engagement immer Gemeinschaft bedeute: „Ehrenamt lebt vom Zusammenhalt.“ Einen persönlichen Moment schufen seine an Ehefrau Ellen gerichteten Worte: „Mein Dank gilt meiner Frau, die mir den Rücken freihält, wenn ich mal wieder durch die Tür bin, weil es irgendwo brennt.“ Zugleich betonte Vleer, dass die Wahrung Kölner Traditionen für ihn nicht nur Leitmotiv, sondern persönliche Verpflichtung sei.
Mit der Verleihung der „Minerva Colonia“ hat die Lesegesellschaft einmal mehr die Bedeutung des Ehrenamts für die Stadtgesellschaft unterstrichen. Der traditionsreiche Maiball gilt seit Jahren als fester Termin im gesellschaftlichen Kalender Kölns – als Treffpunkt engagierter Persönlichkeiten und als Bühne für jene Werte, die die Stadt prägen: Solidarität, kulturelle Identität und Verantwortung füreinander. Seit mehr als 150 Jahren steht die „Lese“ für Austausch, Bildung und kulturelle Debatte. Mit der Auszeichnung von Ernst Vleer setzt sie erneut ein sichtbares Zeichen für bürgerschaftliches Engagement – und für das, was Köln im Innersten zusammenhält.
Minerva Colonia | Mit dem Kulturpreis „Minerva Colonia“ ehrt die Lesegesellschaft alle zwei Jahre Persönlichkeiten, Institutionen oder Gruppen, die sich in besonderer Weise um die Traditionen der Stadt Köln verdient gemacht haben. Im Fokus stehen ehrenamtliches Engagement, die eigenständige Pflege rheinischer Kunst und Kultur sowie die Förderung des Brauchtums durch innovative Sponsoringkonzepte und gezielte Nachwuchsarbeit.