
Im Historischen Rathaus zu Köln wirkt Torsten Burmester konzentriert, aber nahbar. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Hier sitzt kein Verwaltungsbeamter alter Schule, sondern jemand, der Sport, Politik, Verwaltung und öffentliche Kommunikation gleichermaßen kennt. Burmester ist der erste Sozialdemokrat im Amt seit einem Jahrzehnt. Nach dem eher zurückhaltenden Jürgen Roters und der parteilosen Henriette Reker verbinden viele Kölner mit ihm vor allem eines: den Wunsch nach einem Oberbürgermeister, der Probleme sichtbar anpackt.
„Köln ist keine Stadt, die man einfach nur verwaltet“, sagt Burmester zu Beginn des Gesprächs. „Köln lebt von Emotionen, von Haltung und davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Die Stadt muss Ziele setzen – jenseits der Probleme, mit denen wir es zusätzlich zu tun haben.“
Sein eigener Weg in das Amt des Oberbürgermeisters sei alles andere als geradlinig gewesen. Burmester spricht offen über seine Stationen in Politik, Verwaltung und Sportmanagement. Drei Jahre lang – 2002 bis 2005 – war er unter anderem als persönlicher Referent des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder tätig. „Damals habe ich gelernt, wie wichtig Entscheidungsfähigkeit unter Druck ist“, erinnert er sich. „Man darf in großen Organisationen nicht jedes Problem zerdenken – irgendwann muss man Verantwortung übernehmen.“ Diese Erfahrung helfe ihm heute in Köln: „Eine Millionenstadt braucht Klarheit, Verlässlichkeit und Geschwindigkeit.“ Dabei lächelt er: „Wenn man die Möglichkeit bekommt, seine Heimatstadt zu gestalten, dann sagt man nicht nein.“
Dass Burmester im Wahlkampf viele Unternehmen, Vereine und Institutionen besucht hat, habe er sehr bewusst entschieden. „Man kann diese Stadt nicht vom Schreibtisch aus verstehen.“ Die vielen Gespräche mit Unternehmern, Beschäftigten und Bürgern hätten ihm gezeigt, wie groß die Erwartungshaltung an die Stadtspitze sei. „Die Menschen wollen nicht mehr hören, warum etwas nicht geht. Sie wollen sehen, dass sich etwas bewegt.“ Ein „nein, weil“ müsse künftig gegen ein „ja, wenn“ ersetzt werden. Es sei Aufgabe der Politik, Bedingungen zu schaffen, die Umsetzungen ermöglichen. Nur so könne die Stadt selbstgesteckte Ziele auch tatsächlich erreichen.
„Köln ist keine Stadt, die man einfach nur verwaltet. Köln lebt von Emotionen, von Haltung und davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen.“
Seine Motivation für das Amt beschreibt Burmester nicht als parteipolitischen Ehrgeiz, sondern als persönlichen Auftrag. „Köln hat unglaubliches Potenzial, aber die Menschen erwarten zu Recht, dass Dinge endlich funktionieren.“ Ihn treibe an, „dass diese Stadt wieder das Selbstverständnis entwickelt, Großstadt auf internationalem Niveau zu sein – modern, effizient und trotzdem menschlich“.
Dabei sieht er die Rolle des Oberbürgermeisters vor allem als verbindende Instanz mit drei Aufgaben. Einerseits ist er Chef der Verwaltung mit 24 000 Kolleginnen und Kollegen – und eine Verwaltung müsse funktionieren, sich stetig verbessern, sich den digitalen Erfordernissen stellen und Bürokratie abbauen. Weiterhin stehe er dem Stadtrat mit immerhin elf Fraktionsgruppen und Einzelmandatsträgern vor, der Sachentscheidungen zum Wohle der Stadt zu treffen habe. Und als dritte Aufgabe falle es ihm zu, mit der Stadtgesellschaft zu reden und die politischen Entscheidungen des Rates im Bedarfsfall zu erklären. „Die Herausforderung ist es, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft an einen Tisch zu bringen“, so Burmester. Köln dürfe sich nicht länger in Einzelinteressen verlieren. „Die Menschen wollen Lösungen – keine Zuständigkeitsdebatten.“
Wer Burmester bei öffentlichen Terminen erlebt, erkennt schnell seinen Stil. Er ist ein Politiker „zum Anfassen“, spricht oft zunächst mit Mitarbeitern, bevor er sich den Ehrengästen widmet. Wenn er einen Raum betritt, geht er nicht einfach nach vorne, sondern sucht zuerst das Gespräch. „Wer von den Bürgern gewählt worden ist, der hat auch die Pflicht und Schuldigkeit, sich um deren Probleme zu kümmern“, sagt Burmester. Im Karneval zeigt er sich offen und humorvoll, ohne sich künstlich kölscher zu geben, als er ist. „Ich bin Kölner, aber meine Wurzeln liegen in Niedersachsen“, sagt er schmunzelnd. „Und ich glaube, die Kölner merken, ob jemand authentisch ist.“
Unterstrichen wird dies vom neuen Format „Veedelsschicht“, das auf Burmesters Initiative zurückgeht: Als Oberbürgermeister arbeitet er in Industrieunternehmen mit, um deren Probleme besser zu verstehen. Beim Autoriesen Ford, beim Braunsfelder Walzenhersteller Böttcher, beim Labor Wisplinghoff oder bei Koffergigant Rimowa hat Burmester schon „Betriebsluft geschnuppert“. So bleibt er über die Probleme der Menschen „auf dem Laufenden“. Nicht von ungefähr hat das Stadtoberhaupt von den Roten Funken den Spitznamen „Packan“ erhalten, denn genau das ist Torsten Burmester: ein OB, der mit anpackt!
Mehrere Prioritäten arbeitet Burmester für die Stadt heraus: Sicherheit und Sauberkeit, Wohnen, Mobilität und Verwaltungsmodernisierung. „Diese Themen gilt es in den Griff zu bekommen, wenn Köln nicht an Lebensqualität verlieren soll.“ Dabei sei entscheidend, Wachstum intelligent zu steuern. „Mehr Wohnungen, mehr Grünflächen, bessere Mobilität – das muss zusammengedacht werden.“
Den Wohnungsbau möchte er ankurbeln, den „Bauturbo hat er gestartet“, wie er es selbst bezeichnet. Bauen in Köln müsse preiswerter werden – und vor allem schneller. Burmester setzt auf beschleunigte Genehmigungsverfahren, neue Wohngebiete und stärkere Kooperationen mit privaten Investoren. Gleichzeitig verweist er auf neue Ansätze beim kostengünstigen Bauen. Vorbilder sieht er in anderen Großstädten wie beispielsweise Hamburg, „die das richtig gut hinbekommen“. Gute Ansätze sieht er aktuell in den Bauprojekten „Deutzer Hafen“ und „Parkstadt-Süd“.
Die finanziellen Herausforderungen der Stadt verschweigt Burmester dabei keineswegs. „Köln steht wirtschaftlich unter enormem Druck.“ Die hohen Schulden, steigende Sozialausgaben und notwendige Investitionen ließen kaum kurzfristige Spielräume zu. Auch bei der Digitalisierung der Verwaltung räumt Burmester Defizite ein. „Die Kritik ist teilweise berechtigt.“ Viele Prozesse seien über Jahre verschleppt worden. „Aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Verwaltung einfacher und digitaler zu machen.“ Trotz aller Hindernisse wie komplizierte Zuständigkeiten, Fachkräftemangel und veraltete Strukturen verspricht er: „Die Bürger werden in den nächsten zwei Jahren merken, dass Anträge schneller bearbeitet werden und digitale Angebote besser funktionieren.“
Mit Humor reagiert Burmester auf die Karnevalsfigur „Bob, der Burmester“, die Entertainer Guido Cantz scherzend entwickelte. „Ich nehme das sportlich“, sagt er lachend. „Und ja – bauen möchte ich tatsächlich an dieser Stadt. Aber nicht nur aus Beton.“ Ihm gehe es vor allem um Vertrauen: „Die Menschen müssen wieder das Gefühl bekommen, dass ihre Stadt handlungsfähig ist.“
Am 28. September 2025 wurde Torsten Burmester bei der Stichwahl zum Kölner Oberbürgermeister mit 53,5 Prozent der gültigen Stimmen gewählt. Er wurde am 15. Januar 1963 in Uchte (Niedersachsen) geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Köln ist seit 40 Jahren Torsten Burmesters Heimat. Die Stadt hat er dabei in verschiedenen Veedeln kennengelernt. Er lebte in Bickendorf, am Rudolfplatz, in Lindenthal und wohnt inzwischen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Bayenthal. Er schätzt die kölsche Lebensart, die Vielfalt der Stadt, entspannt am liebsten beim Spaziergang am Rheinufer und genießt gelegentliche Besuche in Veedelskneipen der Südstadt.
1986 bis 1992 | Studium der Sportwissenschaften an der Sporthochschule Köln
1992 | Weiterbildung am Institut der deutschen Wirtschaft
1994 bis 2002 | Verschiedenste Funktionen im SPD-Parteivorstand
2002 | Mitarbeiter im Referat Sport im Bundeskanzleramt
2002 bis 2005 | Persönlicher Referent des Bundeskanzlers Gerhard Schröder
2005 bis 2010 | Stellvertretender Leiter der Sportabteilung im Bundesministerium des Innern
2010 bis 2012 | Abteilungsleiter Personal, Haushalt und Organisation im Schulministerium NRW
2012 bis 2018 | Abteilungsleiter Personal, Haushalt und Organisation im Wirtschaftsministerium NRW
2018 bis 2020 | Abteilungsleiter Wirtschaftsrecht im Wirtschaftsministerium NRW, Ministerialdirigent in den Aufsichtsräten der Koelnmesse und der Duisburg Hafen AG
2020 bis 2022 | Generalsekretär des Deutschen Behindertensportverbands und des Nationalen Paralympischen Komitees
2022 bis 2024 | Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes
2024 | Mitglied der Delegationsleitung für die Olympischen Spiele in Paris
seit 2025 | Oberbürgermeister der Stadt Köln
Das Thema Sicherheit bezeichnet Burmester als „Grundvoraussetzung für Lebensqualität“. Dabei gehe es nicht allein um Polizeipräsenz. „Sicherheit entsteht auch durch Sauberkeit, Beleuchtung und ein funktionierendes Umfeld.“ Deshalb initiierte Burmester die Aktionswoche „Ordnung und Sauberkeit in den Veedeln“. Ihm sei bewusst, dass eine solche Aktion nicht über Nacht alle Probleme löse. „Aber die Menschen müssen sehen, dass sich die Stadt kümmert.“ Besonders die Situation rund um den Neumarkt habe ihm gezeigt, wie dringend gehandelt werden müsse. Das geplante Suchthilfezentrum für drogenkranke Menschen, das am Perlengraben entstehen soll, bezeichnet er als „notwendigen Einstieg in ein umfassenderes Hilfesystem“. Die Diskussion darüber sei schwierig gewesen, räumt Burmester ein. „Natürlich gibt es Widerstände. Aber Wegsehen hilft niemandem.“ Dass der Standort lange vertraulich behandelt wurde, sei Teil einer sensiblen Abstimmung gewesen. „Am Ende muss Politik Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.“
Neu ist übrigens auch sein politischer Stil: Denn Burmester setzt auf wechselnde Mehrheiten im Stadtrat. „Es geht nicht darum, ideologische Lager zu pflegen, sondern Lösungen zu organisieren.“ Gleichzeitig zieht er klare Grenzen gegenüber extremen politischen Kräften: „Demokratische Mehrheiten müssen aus der politischen Mitte heraus entstehen.“
Dass er intern durchaus klar führt, gilt im Rathaus längst als bekannt. Vor allem bei Verkehrs- und Infrastrukturfragen vertritt Burmester seine Positionen deutlich. Die Diskussion um den Ausbau der Mülheimer Brücke habe gezeigt, wie emotional Infrastrukturthemen in Köln geführt werden. „Am Ende müssen wir Entscheidungen treffen, die langfristig funktionieren – nicht nur kurzfristig populär sind.“
„Es geht nicht darum, ideologische Lager zu pflegen, sondern Lösungen zu organisieren.“
Im Sport sieht der ehemalige Vorstandschef des „Deutschen Olympischen Sportbundes“ (DOSB) enormes Potenzial für die Stadtentwicklung. Die Diskussion um die Olympischen Spiele bewertet Burmester ausgesprochen offensiv. „Olympia kann wichtige Weichen für die Zukunft stellen, nicht nur im Sport, sondern für eine gesamte Stadtentwicklung“, betont er. „Ich setze mich deshalb entschlossen für Olympia in Köln ein. Olympische und Paralympische Spiele KölnRheinRuhr würden einen Investitionsbooster für die Infrastruktur auslösen und viele Entwicklungen beschleunigen, die sonst angesichts der finanziellen Lage auf sich warten ließen.“ Besonders wichtig sei dabei der langfristige Nutzen für die Stadt. „Das größte Sportevent der Welt schafft Jobs und Investitionen – das haben unter anderem die Spiele von Paris gezeigt.“
Dabei verweist Burmester auf die bereits vorhandene Sportinfrastruktur in Köln. Die Lanxess-Arena könne beispielsweise olympische Turnwettbewerbe wie Geräteturnen, Rhythmische Sportgymnastik oder Trampolinturnen beherbergen, paralympisch wären dort Sitzvolleyball oder Rollstuhl-Basketball denkbar. Im RheinEnergieStadion sieht er ideale Voraussetzungen für olympische Fußball- und Rugbyturniere.
„Olympia kann wichtige Weichen für die Zukunft stellen, nicht nur im Sport, sondern für eine gesamte Stadtentwicklung“
Auch der Sportpark Müngersdorf spielt in den Planungen eine zentrale Rolle. Auf den Jahnwiesen könnten olympische und paralympische Bogenschieß-Wettbewerbe stattfinden, die Finalwettkämpfe wären auf den Poller Wiesen möglich. Zusätzlich könnte im Sportpark ein temporäres Tennisstadion für rund 12 000 Zuschauer entstehen – für olympisches Tennis ebenso wie für Rollstuhltennis bei den Paralympics. Olympischer und paralympischer Bahnradsport wäre im neuen Albert-Richter-Velodrom beheimatet, das 2027 fertiggestellt werden soll – und auch die traditionsreiche Strecke des Radklassikers „Rund um Köln“ könne Teil der Spiele werden. Für das Marathonschwimmen verweist Burmester auf den Fühlinger See.
Das Herzstück der Bewerbung wäre aus seiner Sicht der neue Stadtteil Kreuzfeld im Kölner Norden. „Dort würden das Olympiastadion sowie das Olympische und Paralympische Dorf entstehen.“ Entscheidend sei aber die Nachnutzung. „Nach den Spielen würde daraus ein modernes Stadtquartier mit Wohnraum für über 10 000 Kölnerinnen und Kölner.“ Genau darin liege der eigentliche Mehrwert der Bewerbung. „Der Bau des Olympiastadions bedeutet also nicht nur Infrastruktur für ein temporäres Sportevent, sondern mehr Wohnungsbau sowie S-Bahn- und Autobahn-Ausbau.“
Burmester betont mehrfach den Nachhaltigkeitsgedanken der Bewerbung. „Im Sinne der Nachhaltigkeit setzt die Bewerbung von KölnRheinRuhr nahezu ausschließlich auf bestehende Sportstätten.“ Nur dort, wo es langfristig sinnvoll sei, solle neu gebaut werden. Gleichzeitig verweist er auf den enormen Sanierungsbedarf der Stadt. „Viele Brücken und Straßen sind marode. Olympia wird einen Investitionsbooster für die Infrastruktur auslösen und viele Entwicklungen beschleunigen.“ Sein Fazit fällt eindeutig aus: „Unsere Bewerbung kommt den Kölnerinnen und Kölnern weit über das Ende der Spiele hinaus zugute.“
Natürlich kommt auch der Karneval zur Sprache: Karneval ist gelebte Identität. Er zeigt, wie Köln tickt: offen, humorvoll und solidarisch.“ Gleichzeitig sei der Karneval ein enormer Wirtschaftsfaktor: „Hotels, Gastronomie, Handel – unglaublich viele Branchen profitieren davon.“
Torsten Burmester sieht in Köln eine überaus lebenswerte Stadt – nicht zuletzt hat er sie zu seiner Wahlheimat gemacht. „Man kommt nach Köln und lernt hier direkt das Leben schätzen – man wird direkt integriert, fühlt sich wohl und will nicht mehr weg.“ Er hat schon am Rudolfplatz gewohnt, an der Elsaßstraße und am Zülpicher Platz – allesamt belebte und geschichtsträchtige Orte. „Ich habe noch einen alten, von Millowitsch persönlich unterschriebenen Mietvertrag meiner Wohnung an der Aachener Straße“, sagt Burmester nicht ohne Stolz.
Besonders wichtig ist Burmester der gesellschaftliche Zusammenhalt. „Köln lebt von Vielfalt. Das ist keine Floskel.“ Integration funktioniere dort, „wo Menschen sich begegnen – im Verein, in der Schule, im Veedel“. Abseits des Amts versucht Burmester, Ausgleich zu finden, die Fußballspiele seiner beiden kickenden Töchter zu besuchen, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Ein perfekter freier Tag in Köln? „Einen freien Tag gibt es nicht. Aber morgens am Rhein unterwegs sein oder mittags ein gutes Gespräch im Veedel zu führen oder abends irgendwo entspannt essen gehen – das ist Lebensqualität.“ Orte zum Abschalten gebe es in Köln glücklicherweise genug.
Titelbild: Köln im Fokus (v. l.) – Top Köln Chefredakteur Frank Tewes, Oberbürgermeister Torsten Burmester und Top Köln Herausgeber Ralf Kern