Ein Abend für die kölsche Seele
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Ein Abend für die kölsche Seele

Festsaal der Flora wird zum emotionalen Treffpunkt für Freunde und Weggefährten des 2011 verstorbenen Liedermachers Hans Knipp.

Es gibt Menschen, die eine Stadt prägen, ohne sich jemals selbst in den Vordergrund zu stellen. Hans Knipp war genau so jemand. Seine Texte und Melodien gehören seit Jahrzehnten zum kulturellen Gedächtnis Kölns, seine Lieder sind Hymnen geworden – weit über Karneval und Bühne hinaus. Zum 80. Geburtstag des 2011 verstorbenen Liedermachers wurde ihm nun in der Flora Köln ein außerge­wöhnlicher Konzertabend gewidmet: „Knipp Knipp Hurra! – Das Leben ist ganz nah.“

„Das Werk von Hans Knipp ist die ,Schatzkammer der Kölner Musikszene‘.“

Bernhard Conin ist Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauch­tums, der den stimmngs­vollen Abend in der Flora veran­staltete, um an einen der bedeutendsten Lieder­schreiber der Stadt zu erinnern.

Bereits beim Betreten der Flora lag eine besondere Stimmung in der Luft. Wo sonst festliche Empfänge und gesell­schaftliche Anlässe stattfinden, trafen sich an diesem Abend Wegge­fährten, Musiker, Kulturinteressierte und Freunde der kölschen Musikszene, um an einen der bedeutendsten Lieder­schreiber der Stadt zu erinnern. Als Veranstalter des Tages trat der Verein der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums auf, dessen Vorsitzender Bernhard Conin das Werk von Hans Knipp als „Schatz­kammer der Kölner Musikszene“ bezeichnete

Große Namen für einen großen Liedermacher

Mit den Bläck Fööss, den Paveiern und dem Ensemble „De Knippschaff“ (gegründet 2011 nach dem Tod von Hans Knipp, um das Lebenswerk des Lieder­machers zu ehren und zu bewahren) standen Künstler auf der Bühne, die Hans Knipps Werk über Jahrzehnte begleitet und geprägt haben. Moderiert wurde der Abend von Monika Salchert und Wolfgang Oelsner, die das Publikum mit persön­lichen Erinnerungen, literarischen Gedanken und viel Gefühl durch das Programm führten. „Wir öffnen heute ein Schatzkästchen mit Klassikern und selten gesungenen Juwelchen“, freute sich Oelsner sichtlich auf die bevorstehenden Stunden.

Dabei wurde schnell deutlich, wie weit das kreative Netzwerk von Hans Knipp tatsächlich reichte. Neben den Fööss und den Paveiern arbeitete er im Laufe seiner Karriere unter anderem mit Lotti Krekel, Willy Millowitsch, Renate Fuchs, Wicky Junggeburth, Marita Köllner, King Size Dick, Monika Kampmann, Orgels-Pitter, Horst Muys und den Höhnern zusammen. Seine Handschrift zog sich damit durch Jahrzehnte kölscher Musik- und Theatergeschichte.

Mit besonderer Herzlichkeit begrüßten die Moderatoren auch Knipps Ehefrau Heidi sowie Tochter Marion, die den Abend in der Flora miterlebten. Immer wieder richtete sich der Blick an diesem Abend nicht nur auf das musikalische Werk, sondern auch auf den Menschen hinter den Liedern.

Ein musikalisches Erbe mit fast 1000 Liedern

Wie viele Lieder Hans Knipp tatsächlich geschrieben hat, lässt sich bis heute kaum genau beziffern. Die Rede ist von nahezu 1000 Songs – darunter große Klassiker, weniger bekannte Stücke und zahlreiche unveröffent­lichte Texte. Manche Lieder stammen vollständig aus seiner Feder, bei anderen setzte er entscheidende kreative Impulse. Was Hans Knipp so besonders machte, war seine Fähigkeit, kölsche Lebensart mit poetischem Tiefgang zu verbinden. Seine Texte konnten humorvoll und leicht sein, gleichzeitig aber auch melancholisch, gesellschafts­kritisch und überraschend philosophisch.

Ein eindrucks­volles Beispiel dafür war die Würdigung des Liedes „Buuredanz“. Oelsner und Salchert erinnerten daran, wie sehr Hans Knipp von den Bildern des nieder­ländischen Malers Pieter Brueghel inspiriert war. Gleichzeitig schöpfte er aus seinen Erinnerungen an Erntedank­feste im Bergischen Land und im Westerwald. Diese Mischung aus Alltags­beobachtung, Milieu­schilderung und kölscher Sprache verlieh seinen Liedern ihre besondere Kraft.

Auch das Lied vom „Meiers Kättche“ wurde als Beispiel für Knipps außergewöhnliche Sprachkunst hervorgehoben. Mit wenigen Zeilen gelang es ihm, große Themen wie Liebe, Sehnsucht und Verlust greifbar zu machen. Die Moderatoren beschrieben dies als „große Kunst der Vereinfachung“ – jene Fähigkeit, komplexe Gefühle in scheinbar einfache Worte zu übersetzen.

Besonders emotional wurde es, als die Moderation den Titel des Konzert­abends erklärte. „Das Leben ist ganz nah“ stammt aus einem späten Liederzyklus, den Hans Knipp mit dem Komponisten und Musik­wissen­schaftler Dr. Dieter Glave entwickelte. Die Worte spiegeln zentrale Themen seines Schaffens wider: Werden und Vergehen, Nähe und Abschied, Alltag und Vergänglichkeit. Im Kölner Marzellen Verlag erschien übrigens 2012 ein Buch mit ebendiesem Titel (Informationen siehe Nebenspalte).

Ein musikalisches Vermächtnis

Gleichzeitig stand über allem aber auch der fröhliche Geburtstagsruf „Knipp, Knipp, hurra!“ – denn genau diese Spannbreite zeichnete Hans Knipps Werk aus. Seine Texte bewegten sich zwischen Fußballplatz und Philosophie, zwischen kölscher Lebensfreude und stiller Nachdenklichkeit – von „Mer schenke der Ahl e paar Blömcher“ über „Ene Besoch em Zoo“ zu „Katrin“ und den kölschen „Stammbaum“ bis zu „Heimat es“.

Der Konzertabend in der Flora zeigte eindrucksvoll, dass Hans Knipp weit mehr war als ein erfolgreicher Liedermacher. Seine Songs sind Teil der kölschen Identität geworden. Vielleicht war genau das die größte Stärke von Hans Knipp: Er schrieb nie nur Lieder über Köln. Er schrieb Lieder für die Menschen dieser Stadt. Ein Abend voller Musik, Erinnerungen und Emotionen – und ein würdiger Geburtstag für einen der wichtigsten Liederschreiber Kölns.

Sommer 2026
Redaktion: Heike Reinarz

Buchtipp

Das Leben ist ganz nah
Autor: Dieter Glave
Verlag:  Marzellen Verlag
ISBN: 978-3-937795-22-5
Preis: 18,95 Euro
www.marzellen-verlag.de