Dem Universum auf der Spur
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Dem Universum auf der Spur

Dem Universum auf der Spur

Neues Mega-Teleskop auf 5600 Meter hohem chilenischem Berg öffnet Fenster zum Universum – Universität zu Köln und Universität Bonn sind Teil einer internationalen Kooperation

Mitten in der trockenen Weite der chilenischen Atacama-Wüste steht seit wenigen Wochen ein wissen­schaft­liches Projekt, das die Astronomie grund­legend verändern könnte: das „Fred Young Sub­milli­meter Telescope“, kurz FYST. Auf 5640 Metern Höhe, nahe dem Gipfel des Cerro Chajnantor, wurde das hoch­moderne Radio­teleskop jüngst feierlich eingeweiht – ein Meilenstein internatio­naler Spitzen­forschung, an dem die Universität zu Köln maßgeblich beteiligt ist.

Forschung auf Spitzen­niveau

Über drei Jahrzehnte nach den ersten Konzepten von Wissen­schaftlern der Universität zu Köln und der Cornell University in den USA richtet sich der Blick in die Tiefen des Kosmos. FYST soll Antworten auf einige der größten Fragen der modernen Astrophysik liefern: Wie entstanden Galaxien? Woraus bestehen dunkle Materie und dunkle Energie? Und was geschah unmittelbar nach dem Urknall?

Die feierliche Eröffnung auf dem Gelände des renommierten ALMA-Observatoriums zog internationale Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft an. Vertreter aus Deutschland, den USA, Kanada und Chile würdigten das Projekt als heraus­ragendes Beispiel globaler Forschungs­kooperation.

Das Teleskop ist Teil des internationalen CCAT Observatory-Konsortiums. Neben der Universität zu Köln sind unter anderem die Universität Bonn, das Max-Planck-Institut für Astrophysik, die Cornell University sowie ein kanadisches Universitäts­konsortium beteiligt. „Dass Forschende der Kölner Universität an der Entstehung eines so hoch­karätigen neuen Radio­teleskops mitgewirkt haben, zeigt, dass sich unsere Forschung in diesem Bereich auf Spitzen­niveau bewegt“, betonte Universitätsrektor Professor Dr. Joybrato Mukherjee. 

Globales Forschungs­netzwerk mit „himmlischer Kinemato­graphie“

Technologisch setzt das Observa­torium neue Maßstäbe. So kann FYST außer­gewöhnlich große Himmels­bereiche in kurzer Zeit kartieren. Beobachtet wird im sogenannten Sub­milli­meter­bereich – einem bislang nur wenig erforschten Abschnitt des elektro­magnetischen Spektrums. Die Forscher sprechen von „himmlischer Kinemato­graphie“, weil das Teleskop gewisser­maßen Film­aufnahmen des Universums erstellen kann.

Die extremen Bedingungen der Atacama-Wüste bieten ideale Voraus­setzungen. Durch die trockene Luft und die enorme Höhe werden störende Wasser­dampf­anteile in der Atmosphäre nahezu eliminiert. Die Bedingungen gelten weltweit als einzigartig und werden nur noch vom Vakuum des Weltraums übertroffen.

Die Heraus­forderungen beim Bau waren entsprechend enorm. Wegen des geringen Sauer­stoff­gehalts mussten alle Beteiligten medizinisch überwacht werden und auf dem Gipfel zusätzlichen Sauerstoff nutzen. Das Teleskop wurde zunächst vollständig in Deutschland montiert, anschließend zerlegt und per Schiff nach Chile transportiert. Dort brachte man die bis zu 60 Tonnen schweren Bauteile mit Spezial­transportern auf den Berg – ein logistisches Meisterwerk. Über 250 000 Arbeits­stunden flossen in Konstruktion, Simulation und Fertigung.
Für die beteiligten Forscher markiert die Eröffnung weit mehr als nur die Inbetrieb­nahme eines neuen Observa­toriums. Sie steht für jahr­zehnte­lange internationale Zusammen­arbeit, wissen­schaft­liche Visionen – und für die Hoffnung, den Ursprüngen des Universums ein Stück näher zu kommen.

Sommer 2026